2. April 2016

An diesem Abend ist die Luft noch lau vom Tag. Ich steige die Treppe der U-Bahn-Station Oranienburger Tor hinauf, gehe ein wenig, biege in die Torstraße ein. Ich überlege, ob ich zufrieden damit bin, allein zu einer Lesung zu gehen; ich bin zufrieden. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, mit dem und dem und dem zu gehen jetzt gerade, die milde Frühlingsluft zu genießen, das kalte Bier. Ein Wegbier natürlich, gekauft in irgendeinem Getränkeshop. Die Restaurants sind meistens voll und die, die nur halbvoll sind an diesem Abend, müssen furchtbar schlecht sein, denke ich, oder furchtbar unbeliebt, obwohl sie vielleicht nichts dafür können. Der Markt kennt keine Gerechtigkeit, er will auch keine. So ist das nun mal.
Am U-Bahnhof Rosenthaler Platz sammeln sich die Massen, um hier für die nächsten Stunden Zeit zu verbringen mit Rauchen, Quatschen und Trinken. Ich habe mal acht Euro verspielt oder zwölf am Automaten im nahen Pik-Ass, bevor die Hand eines Freundes Einhalt gebot mit zwei Kugeln Schultheiss. Auch so eine Torstraßengeschichte.
Irgendwann später, als ich mit den Beinen in den Heimweg stochere, die Augen ein bisschen verengt vom Pils, vom Licht vor allem, überkommt mich Hunger zwischen all den Gerüchen, all den Essenden. Aber Geld habe ich keines mehr, Sparkassenkunde bin ich nicht und die Uhr läuft gnadenlos: jetzt nur noch fünf Stunden Schlaf. Aufzuholen ist da wenig und überhaupt: der Bauch. Ich schaue hinab auf die Kugel, mein Fahrrad steht am Platz der Luftbrücke. Der Dynamo krächzt mächtig und ich bin fast der letzte mit gelbem Licht am Rad, alles kalt-weiß blendend inzwischen. Alle Räder wie Linke-Spur-Autobahnschlachtschiffe. Die Angst, nicht gesehen zu werden, nicht zu sehen. Ich fahre beinahe über eine leere Schnapsflasche, Gorbatschow oder so. In der Überführung am Südkreuz feiern sie mit Cola, Goldkrone und Handymusik. An den roten Ampeln könnte ich kotzen, weil mein Herz so pumpt im Stehen. Und so warte ich, es ist ja noch Verkehr, liege im Bett später, die Beine tanzen unter der Decke. Obwohl ich nur wenige Biere hatte, dreht sich sogar alles ein bisschen. Ich träume von einem Messer auf einem Brotkasten in einem Schaufenster. Und noch vieles mehr, woran ich mich nicht erinnern kann.

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