Es ist die Zeit

Nun seit fast zwei Monaten nicht mehr richtig geschrieben mit Ausnahme von Rudolstadt. Dabei lief es so gut am Anfang, dachte ich, mit genug Einsatz und Willen geht das so nebenher. Die Erlösung war angedacht für die Kita-Zeit. Dann würde ich endlich den Roman schreiben! Aber nach der Eingewöhnung, ständig den Gedanken an den Roman im Kopf, kam die Zeit der ersten Krankheit. Und ist noch immer da.

Man denkt sich das ja abstrakt, dass diese Dinge da sein werden. Und dann steht man wieder Mittags vor dem Kindergarten und holt das Kind ab, das schmale Rotzbalg, das einem, je nach Winkel, auch dick vorkommen kann, und trottet nach Hause. Es ist noch nicht die Zeit der großen Entwürfe, des Vortriebs mitten in den Rohstoffberg hinein. (JA, ICH HABE FAUSER GELESEN. Ich wollte auch etwas dazu schreiben. Aber das Klümpchen Text liegt seit dem ersten Aushub unberührt im Ordner.)

Es ist die Zeit der Rotzblasen. Der Durchfallbilder, die die Menschen in Massen ins Internet stellen. Es ist ganz einfach, man nimmt die Durchfallskala in die Hand und geht die Farben ab, legt sie an die Windel an: ein fahles Hellgelb, ein kräftiges Goldgelb, Rot- oder Purpurtöne oder ein Stich ins Grüne. Man macht sich mal mehr, mal weniger Sorgen. Es ist die Zeit des Erbrechens und damit der Muße. Liegt man nicht darnieder, betrachtet man stoisch Enten und Bagger und Lastwagen und Busse. Man wundert sich, wann die Busse, diese ganzen grellgelben Konstruktionen, zur Normalität geworden sind, auf die man nicht mehr zeigen muss mit einem fröhlichen „Da“. Man sitzt am Mittagstisch und man denkt sich: „Ja, das ist jetzt der Höhepunkt des Tages, diese Kirschgrütze. Phänomenal.“ Und ehe man sich erregen, ausrufen kann: „Es war doch früher alles besser“, denkt man daran, wie man einst, jünger, unschuldiger, die neuesten Erfolgsmeldungen verhasster Konkurrenten in der Hand, mit Tränen in den Augen auf die großen Puddingwannen in der Mensa zusteuerte, sie um Trost und Erlösung suchend, anging. Sahne-, Schoko-, Vanille-, Mandelpudding. Ein Schälchen war immer drin.

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