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„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied

Einmal wird Morgen großgeschrieben, ein anderes Mal schreibt man morgen klein. Aber wo genau liegt der Unterschied? Warum heißt es „Heute Morgen habe ich noch keinen Kaffee getrunken, aber morgen werde ich Kaffee trinken“? In diesem Blogbeitrag erläutere ich, wie die Rechtschreibung bei „morgen“ bzw. „Morgen“ aussieht.

Beide Schreibungen sind möglich, das sehen Sie in meinem Beispielsatz. Allerdings handelt es sich nicht um optionale Schreibweisen wie z. B. bei Fantasie/Phantasie. Man schreibt morgen klein oder Morgen groß, weil es sich bei den äußerlich identischen Formen um unterschiedliche Wortarten handelt. Das Substantiv der Morgen wird großgeschrieben. Bei der Kleinschreibung geht es um das Adverb morgen. Aber schauen wir uns beide Fälle genauer an.

Groß schreibt man das Substantiv „Morgen“

Mein Morgen war gut … Dieser Morgen hatte es in sich … Am Morgen komme ich nicht aus dem Bett – in all diesen Sätzen schreibt man Morgen groß, weil das Wort hier als Substantiv steht. Das erkennt man z. B. am Artikel – der Morgen. Aber auch an Präpositionen, also Wörtern, die vorangestellt sind und mit dem Artikel verschmelzen können: am (= an dem) Morgen . Darum schreibt man auch den Satz aus der Einleitung mit großem Morgen: Heute [also an diesem] Morgen, habe ich noch keinen Kaffee getrunken.
Dies gilt auch für Fügungen wie vom Morgen bis zum Abend oder eines Morgens und auch des Morgens. Die Großschreibung von des Morgens gilt immer, egal wo im Satz sich die Wendung finden lässt: Des Morgens [am Morgen] ging ich aus dem Haus … Die Geräusche des Morgens wecken mich …

Als Adverb schreibt sich „morgen“ klein

Anders verhält es sich, wenn man sagt: Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Während es bei eines Morgens um eine bestimmte Zeiteingabe geht, bedeutet morgens hier, dass etwas regelmäßig der Fall ist.
Generell spielt der zeitliche Aspekt in der Unterscheidung eine Rolle. Man schreibt morgen klein, wenn man sich auf den nächsten Tag bezieht. Deshalb wird sie morgen anrufen. Es wird morgen früh wieder ein harter Morgen. Natürlich kann morgen aber auch für eine unbestimmte Zeit in der Zukunft stehen: Das ist die Technik von morgen!

Schreibt man „Morgen“ groß? Je nach Wortart!

Die Regeln und Fälle für ein klein- oder großgeschriebenes Morgen sind also sehr eindeutig. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie immer versuchen, ob das Wort mit einem Artikel im Satz funktioniert. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie sich genau klar machen, was Sie aussagen wollen. Ich sage es dir morgen (irgendwann am nächsten Tag). Ich sage es dir gleich morgen früh (am nächsten Tag morgens). Aber: Ich sage es dir am Morgen (am nächsten Morgen).

Zusammenfassung

Man schreibt Morgen groß, wenn es sich um das Substantiv handelt, das mit Artikel oder Präposition steht: ein schöner Morgen; der Morgen kam langsam; des Morgens ereilte mich ein Glück, es graute der Morgen; gleich am Morgen rufe ich an.

Man schreibt morgen klein, wenn es als (zeitliches) Adverb fungiert und z. B. eine Regelmäßigkeit ausdrückt: Ich rufe morgen [Vormittag] an; morgens rufe ich [regelmäßig] an; bis morgen.

Titelbild: David Brooke Martin on Unsplash

15 Antworten auf „„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied“

1. „Aber wo genau liegt der Unterschied.“ Ich bilde es mir ein, Fragezeichen fehlt.
2. Gute Information, hat sehr geholfen,
Danke.

Gut erklärt, Danke! Aber hat sich da in der Zusammenfassung nicht ein Morgen eingeschlichen, wo ein morgen hingehört?

Hey Christian,

was ich bislang nicht für mich klären konnte:

„Wir denken an morgen“.

Im Internet findet man viele Seiten und Kampagnen von größeren Unternehmen, wo das Wort „Morgen“ groß geschrieben wird. Das würde ja bedeuten, dass es sich um ein Substantiv handelt, was ich allerdings anders sehe. Ich würde es klein schreiben, weil es für mich eher den adverbialen weil zeitlichen Charakter hat. Hast Du darauf eine Antwort?

Vielen Dank und schöne Grüße

Max

Hallo Max,

es ist in der Tat so, dass es sich dabei um ein Substantiv handelt, und zwar um eine substantivierte Form des Adverbs. In diesem Sinne gibt es zwei Substantivformen von „Morgen“, nämlich der Morgen und das Morgen. Bei Letzerem meint man nicht die Tageszeit, sondern eine bestimmte Zukunft. Davon abweichend schreibt man aber „die Trends von morgen“, weil es hier nicht um das Morgen, sondern um eine unbestimmte Form der Zukunft geht (man würde nicht schreiben: die Technik von [dem] morgen.

Ich hoffe, auf diese Weise wird es dir klarer.

Viele Grüße

Christian

Tolle Erklärung! :)

Mein Sohn kam gerade, mit genau diesen Regeln gerüstet, zu mir und fragte etwas verzweifelt nach der Schreibweise von „Des Morgens“. Ich glaube die Antwort muss sein, dass es sich groß schreibt, und die Begründung ist der begleitende Artikel. Ich kann aber verstehen, dass sein Sprachgefühl ihn zweifeln liess: Die Verwendung von „des“ in einer Zeitangabe ist heute kaum gelernt – und er hat gelernt, dass „morgens“ normalerweise klein geschrieben wird. Ich würde es darum als schwierigen Fall in einem Bespiel verwenden!

Hallo Johannes,

vielen Dank für den Kommentar. Es ist richtig, dass „des Morgens“ großgeschrieben wird, auch wenn die Kleinschreibung durch „morgens“ sehr naheliegend ist. Aber es gibt nicht nur „des Morgens“ im Sinne von „am Morgen“, sondern auch Wendungen wie „das Licht des Morgens“. Im letzteren Fall wird die Großschreibung besonders deutlich. Eine Kleinschreibung fände ich aber nachvollziehbar, wenn man „des Morgens“ wie „an jedem Morgen“ liest, was mir zumindest in Teilen als denkbar schiene. Trotzdem gilt Großschreibung. Ich werde hier noch einen kleinen Absatz im Beitrag ergänzen!

Hallo,
danke erstmal für die gute Erklärung aus Rechtschreibungssicht.
Mich hätte es jetzt aber historisch interessiert ob es da einen Grund gibt, dass ‚Morgen‘ und ‚morgen‘ ja bis auf die Groß-/Kleinschreibung ident sind.
Im Englischen hat man ja zB ‚morning‘ und ‚tomorrow‘ als zwei unterschiedliche Wörter.

Ist vielleicht etwas wirr in meinem Kopf gedacht, aber vielleicht verstehen Sie was ich meine? ;)

Hallo, vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich schaue bei Fragen zur Wortherkunft oder -verwendung gern ins digitale Wörterbuch der deutschen Sprache und bin auch in diesem Fall unter https://www.dwds.de/wb/morgen fündig geworden. Dort heißt es für Morgen: Morgen m. ‘Tageszeit um den Sonnenaufgang, Tagesbeginn’, ahd. morgan (8. Jh.), mhd. mnd. morgen, asächs. morgan, mnl. morghen, nl. morgen, afries. morn, mern, aengl. morgen, engl. (in der Dichtersprache) morn, sonst morning (in Anlehnung an evening ‘Abend’), anord. myrginn […] Und dann für morgen: Adv. ‘am folgenden Tag’, aus dem Dativ Sing. ahd. morgane, überliefert nur in ahd. ubarmorgane (9. Jh.), mhd. morgen(e), eigentlich ‘am Morgen’, dann ‘am folgenden Morgen’ (nach der voraufgehenden Nacht), schließlich ‘am ganzen folgenden Tag’.

Den ganzen Eintrag finden Sie unter dem von mir genannten Link.

Herzliche Grüße

Christian Wöllecke

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