Zurzeit oder zur Zeit? Wann wird getrennt, wann zusammen geschrieben?

Zurzeit oder zur Zeit? Ja, Zeit ist nicht nur in Sachen Rechtschreibung ein Thema. Sie ist relativ, schleicht grundsätzlich in Wartezimmern und vergeht in den schönsten Momenten dafür viel zu schnell. Sie beschäftigt uns zeitlebens von morgens bis abends, aber auch mancher antike Grieche erlebte dank der Sonnenuhr die <class=“teaserunderline“>Zeit seines Lebens.

Aber Moment, zurzeit, zur Zeit … und dann gibt es da ja auch noch zeitlebens und Zeit seines Lebens. Wo liegen die Unterschiede? Was ist richtig, was falsch? Tatsächlich sind in diesen Fällen verschiedene Schreibungen möglich. Es kommt auf den Satzkontext an. Wie genau sich die Schreibweisen unterscheiden und welche Regeln Sie kennen sollten, dies erkläre ich in diesem Beitrag.

Zurzeit – zur Zeit

Nein, Sie müssen jetzt nicht ewig scrollen und herumsuchen, bis Sie eine Antwort auf die Frage aus dem Titel finden. Die Auflösung liefere ich Ihnen gleich an dieser Stelle. Die Unterscheidung ist glücklicherweise nicht besonders kompliziert und lässt sich leicht merken.

Im hier und jetzt: Zurzeit wird zusammengeschrieben

Mit der Zusammenschreibung von zurzeit trifft man eine Aussage über die Gegenwart, über die aktuelle Situation. Man verwendet dafür eine zusammengesetzte Form: Mir geht es zurzeit recht gut. Die Lage ist zurzeit recht angespannt. Geht es darum, was gerade passiert, wird zurzeit also ausnahmslos zusammengeschrieben. Die Regel lässt sich aber nicht generell auf andere Schreibweisen übertragen: Bei derzeit greift sie noch, bei vorzeiten (irgendwann vor langer Zeit) hingegen nicht.

Die Vergangenheit fest im Blick: deshalb wird zur Zeit getrennt geschrieben

Die Lage war zur Zeit von Kaiser Nero recht angespannt. Wenn etwas über die Vergangenheit ausgesagt werden soll, dann trennt man bei zur Zeit beide Wörter. Der Schwerpunkt liegt auf dem Substantiv. Denn man könnte auch sagen: zu der Zeit. Die Dampfmaschine wurde zur Zeit der Industrialisierung erfunden. Ähnliches gilt auch für Wendungen wie zu meiner Zeit oder zu jener Zeit. Hier ist zurzeit also nicht richtig.

Zu seiner Zeit, aber: seinerzeit; die Zeit seines Lebens, aber: zeitlebens

Es ist am einfachsten, wenn Sie sich eine grundsätzliche Unterscheidung vergegenwärtigen. Bei Formen wie seinerzeit oder zeitlebens handelt es sich um Zusammensetzungen (Adverbien). Er war zeitlebens zufrieden. Zeitgleich kamen beide an. Die Großschreibung findet sich bei eigenständigen Substantiven. Das war die beste Zeit seines Lebens. Es ist Zeit, wir müssen los. Die gegnerische Mannschaft erzielte einen Glückstreffer – und spielte dann auf Zeit. Auf der Grenze bewegt sich zeitsparend, das auch als Zeit sparend geschrieben werden kann.
Wenn ich also am Anfang erwähnt habe, dass Zeit relativ ist, so scheint dies nur auf den ersten Blick auch auf die Getrennt- und Zusammenschreibung zuzutreffen. Während man seinerzeit als zusammengesetztes Wort kleinschreibt, gilt bei zu seiner Zeit die Großschreibung, weil Zeit hier als Substantiv aufgefasst wird.

Zusammenfassung: Zur Zeit und zurzeit – das ist in Sachen Rechtschreibung zu beachten

Zur Zeit wird getrennt geschrieben, wenn es sich auf die Vergangenheit bezieht. Hier steht das Substantiv im Fokus, also zu dieser Zeit. Zur Zeit der Industriellen Revolution war an Urlaub noch nicht zu denken.

Zurzeit wird zusammengeschrieben, wenn es als zusammengesetztes Wort den aktuellen Augenblick meint. Zurzeit bin ich im Urlaub.

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„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied

Einmal wird Morgen großgeschrieben, ein anderes Mal schreibt man morgen klein. Aber wo genau liegt der Unterschied? Warum heißt es „Heute Morgen habe ich noch keinen Kaffee getrunken, aber morgen werde ich Kaffee trinken“? In diesem Blogbeitrag erläutere ich, wie die Rechtschreibung bei „morgen“ bzw. „Morgen“ aussieht.

Beide Schreibungen sind möglich, das sehen Sie in meinem Beispielsatz. Allerdings handelt es sich nicht um optionale Schreibweisen wie z. B. bei Fantasie/Phantasie. Man schreibt morgen klein oder Morgen groß, weil es sich bei den äußerlich identischen Formen um unterschiedliche Wortarten handelt. Das Substantiv der Morgen wird großgeschrieben. Bei der Kleinschreibung geht es um das Adverb morgen. Aber schauen wir uns beide Fälle genauer an.

Groß schreibt man das Substantiv „Morgen“

Mein Morgen war gut … Dieser Morgen hatte es in sich … Am Morgen komme ich nicht aus dem Bett – in all diesen Sätzen schreibt man Morgen groß, weil das Wort hier als Substantiv steht. Das erkennt man z. B. am Artikel – der Morgen. Aber auch an Präpositionen, also Wörtern, die vorangestellt sind und mit dem Artikel verschmelzen können: am (= an dem) Morgen . Darum schreibt man auch den Satz aus der Einleitung mit großem Morgen: Heute [also an diesem] Morgen, habe ich noch keinen Kaffee getrunken.
Dies gilt auch für Fügungen wie vom Morgen bis zum Abend oder eines Morgens.

Als Adverb schreibt sich „morgen“ klein

Anders verhält es sich, wenn man sagt: Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Während es bei eines Morgens um eine bestimmte Zeiteingabe geht, bedeutet morgens hier, dass etwas regelmäßig der Fall ist.
Generell spielt der zeitliche Aspekt in der Unterscheidung eine Rolle. Man schreibt morgen klein, wenn man sich auf den nächsten Tag bezieht. Deshalb wird sie morgen anrufen. Es wird morgen früh wieder ein harter Morgen. Natürlich kann morgen aber auch für eine unbestimmte Zeit in der Zukunft stehen: Das ist die Technik von morgen!

Schreibt man „Morgen“ groß? Je nach Wortart!

Die Regeln und Fälle für ein klein- oder großgeschriebenes Morgen sind also sehr eindeutig. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie immer versuchen, ob das Wort mit einem Artikel im Satz funktioniert. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie sich genau klar machen, was Sie aussagen wollen. Ich sage es dir morgen (irgendwann am nächsten Tag). Ich sage es dir gleich morgen früh (am nächsten Tag morgens). Aber: Ich sage es dir am Morgen (am nächsten Morgen).

Zusammenfassung

Man schreibt Morgen groß, wenn es sich um das Substantiv handelt, das mit Artikel oder Präposition steht: ein schöner Morgen; der Morgen kam langsam; es graute der Morgen; gleich am Morgen rufe ich an.

Man schreibt morgen klein, wenn es als (zeitliches) Adverb fungiert und z. B. eine Regelmäßigkeit ausdrückt: Ich rufe morgen [Vormittag] an; morgens rufe ich [regelmäßig] an; bis morgen.

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Komma vor oder: Wann steht ein Komma?


Wahrheit oder Pflicht? Ja oder nein? Das grüne oder das blaue Kleid? – Bei all diesen Fragen muss man sich für etwas entscheiden. Bloß eines steht fest: Nirgendwo steht vor oder ein Komma.

Wann setzt man ein Komma vor oder und wann steht kein Komma vor oder?

Es gibt die eben beschriebenen einfachen Fälle – und es gibt viele Sätze, bei denen Zweifel aufkommen. Darum stelle ich hier die Regeln zur Kommasetzung im Zusammenhang mit oder vor und erkläre, wann bei Aufzählungen oder Fragen ein Komma vor oder gesetzt wird.

Wie immer beginne ich mit ein paar kurzen Sätzen zur Wortart. Oder ist eine Konjunktion, also ein Bindewort, das Sätze oder Teilsätze, aber auch Wörter verbinden kann. Entweder Sie rufen mich an, oder ich melde mich. Ich kaufe das blaue oder das rote Kleid. Hop oder top? Um noch etwas genauer zu werden: Oder ist eine nebenordnende Konjunktion wie auch und oder sowie. Im Gegensatz dazu gibt es auch unterordnende Konjunktionen wie wenn, um etc. Eine ausführliche Übersicht finden Sie zum Beispiel auf der Seite Wortwuchs.

Kehren wir aber zurück zur Ausgangsfrage dieses Textes.

Kein Komma vor oder steht …

… bei der Aufzählung gleichrangiger Wörter. Du darfst dir zwei Sachen aussuchen: ein Eis und einen Schokoriegel oder Gummitierchen und Zuckerwatte. Ein Goldfisch oder eine Katze oder ein Hund – welches Haustier soll es sein?

… bei nebengeordneten Wortgruppen (1) oder gleichrangigen Nebensätzen (2). (1) Ich rufe meinen Mann an oder meine Schwester. (2) Ich rufe an, wenn ich angekommen bin oder wenn ich Verspätung habe. Man merkt, dass Nebensätze gleichrangig sind, wenn sie sich in gleicher Weise auf den Hauptsatz beziehen. Im oberen Beispiel wird jeder der beiden Nebensätze durch ein wenn eingeleitet.

… bei gleichrangigen Infinitivgruppen. Er hat mir aufgetragen, mich um die Katze zu kümmern oder den Hund zu versorgen. Auch hier beziehen sich beide Infinitivgruppen in gleicher Weise auf den ersten Satzteil. Mehr zur Kommas und Infinitiven mit zu finden Sie in meinem Blogbeitrag Kommasetzung bei Infinitivgruppen.

Ein Komma vor oder steht …

… bei einer Apposition, also einer Beifügung. Mir helfen immer unser Nachbar, Herr Kolk, oder Frau Utzler aus dem Erdgeschoss. Die Beifügung Herr Kolk wird regulär in Kommas eingeschlossen, darum steht auch ein Komma vor oder.

… bei eingeschobenen Nebensätzen (1) und mit Kommas einzuklammernden Infinitivgruppen (2). (1) Ich soll ihn abholen, wenn er da ist, oder er nimmt den Bus. (2) Ich brauche deine Erlaubnis, um zu fahren, oder ich muss hierbleiben.

… optional bei verbundenen Hauptsätzen. Ich rufe an[,] oder ich fahre direkt. Das Komma muss aber wie beim Komma vor und zwischen Hauptsätzen nicht gesetzt werden.

… optional, (jetzt wird es komplizierter) wenn sich ein Satzgefüge anschließt, das mit einem Nebensatz oder einer Infinitivgruppe beginnt. Ich schreibe diesen Text[,] oder wenn ich das nicht tue, spiele ich am Computer. Meiner Meinung nach gehören solche Formulierungsfälle aber eher zu den Exoten.

Entweder oder – Komma?

Erinnern Sie sich noch an den Beginn meines Textes, oder schwirren Ihnen schon diverse Kommafälle durch den Kopf? Dann schauen wir uns jetzt noch die mehrgliedrige Konjunktion entweder oder an. Glücklicherweise finden die Regeln Anwendung, die ich eben schon vorgestellt habe.

Zwischen Hauptsätzen kann das Komma gesetzt werden, es ist aber nicht verpflichtend. Entweder ich setze ein Komma[,] oder ich setze kein Komma. Bei gleichrangigen Nebensätzen wird kein Komma vor oder gesetzt. Ich werde im Sommer gutes Geld verdienen, weil ich entweder im Schwimmbad arbeite oder Eis verkaufe.

Das ist doch eigentlich alles gar nicht so schwer, oder? Genau, dieses Komma hatte ich noch vergessen. Es steht als Teil einer Stellungnahme, weil man auch sagen könnte: Das ist doch eigentlich alles gar nicht so schwer, oder etwa nicht? Wie auch bei anderen Konjunktionen sind einige Regeln eindeutig, andere liegen im Ermessensspielraum des Schreibers bzw. der Schreiberin. Im Lektorat empfehle ich in der Regel, auch die optionalen Kommas zu setzen.

Zusammenfassung

Sind Satzbestandteile gleichrangig, steht kein Komma vor oder. Dabei kann es sich um Wörter, Satzteile oder auch um Nebensätze oder Infinitivgruppen handeln. Wir fahren nach Berlin oder Potsdam oder Dresden. Wir kommen auf Sie zurück, wenn wir eine freie Stelle haben oder wenn wir Ihnen endgültig absagen müssen.

Ein Komma vor oder steht zum Beispiel bei eingeschobenen Nebensätzen oder bei Appositionen. Wir kommen auf Sie zurück, wenn wir eine freie Stelle haben, oder wir melden uns garantiert im nächsten Jahr. Wir fahren nach Potsdam, die Hauptstadt von Brandenburg, oder nach Dresden.

Ein Komma kann, aber muss nicht gesetzt werden, wenn zwei Hauptsätze verbunden werden. Ich fahre nach Potsdam[,] oder ich fahre nach Dresden.

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