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Wie finden Sie ein gutes Lektorat?

Wenn Sie einen Text überarbeiten lassen wollen, dann stellen Sie sich vielleicht die Frage, wie Sie ein gutes Lektorat finden und wie Ihr Text davon profitiert. Ich möchte das Thema an dieser Stelle für Sie aus meiner persönlichen Sicht als Lektor beleuchten.

Wenn ich nicht gerade lektoriere, widme ich mich als Stadtimker in Berlin gern meinen Bienen. Bienen und Buchstaben haben nicht besonders viel gemeinsam, Imkerinnen und Lektoren dagegen schon. Denn ob es nun um Menschen geht, die Texte überarbeiten, oder solche, die Bienen halten – häufig treffen in größeren Runden unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen aufeinander. Jeder kennt den fachlich einen besten Weg und hat auch Erfolg damit. Das liegt durchaus in der Natur der Sache: Jedes Bienenvolk ist einzigartig, jeder Text (im Idealfall) auch. Und auch das Drumherum, der Kontext, beeinflusst ganz enorm. Bei den Bienen geht es um den Stellplatz des Volkes, die Witterung, die Eigenheiten der Königin. Bei Texten geht es um die Zielgruppe, das Medium, die Intention des Autors bzw. der Autorin. Viele Wege führen nach Rom, was die Entscheidung für Sie natürlich nicht einfacher macht.

Ein gutes Lektorat ist, anders als ein Korrektorat, Geschmackssache

Sie sehen also schon: Die Frage nach dem guten Lektorat ist vor allem durch die Perspektive geprägt. Über Rechtschreibfehler lässt sich hingegen in den meisten Fällen nicht streiten. Ein Korrektorat ist vergleichbar über die Zahl der gefundenen und ausgemerzten Fehler, auch wenn naturgemäß Fehler im Text verbleiben. Perfektion ist schlicht unmöglich. Ob aber ein Satz gekürzt oder umgestellt werden sollte, ob er sich holprig anhört, ob das richtige Wort gewählt wurde oder ein besseres Synonym existiert – all das liegt im Auge des Betrachters. Es gibt zwar allerlei Fibeln und Vorschläge für guten Stil, aber in den meisten Fällen wird der Lektor oder die Lektorin nur einen gewissen Teil davon verinnerlicht haben und den Rest aus eigener Lektüre und nach eigenem Gusto herleiten.

Lektorat light oder intensive Arbeit am Text? Samt- oder Boxhandschuhe – Sie haben die Wahl

Zu vergessen ist auch nicht, dass Lektor/innen ganz unterschiedlich stark in Texte eingreifen. Ich persönlich muss das Gefühl haben, dass der Text „läuft“. Es geht dann weniger darum, das Geschriebene in eine andere Richtung zu biegen, sondern innerhalb seiner eigenen Range eine stilistische Einheitlichkeit herzustellen, also zu schauen, wo der Text plötzlich aus dem gefundenen Schema ausbricht. Allein, solche Regeln gelten für Gebrauchstexte; würde ich einen Roman lektorieren, der bewusst experimentieren und brechen will, müsste ich schon wieder ganz anders anfangen. Kontext is king, sozusagen, und auch die größte Herausforderung für Korrektursoftware, die Stilverbesserungen anbietet. Aber nicht immer kann ich einfach so drauf loshauen. Manchmal liegt es an Befindlichkeiten des Autors bzw. der Autorin, manchmal sind starke Eingriffe schlichtweg nicht erwünscht und nötig. Dies kann der Fall sein, wenn man immer noch stark die Tonalität des ursprünglichen Textes behalten will, also maximal eine leichte Glättung erlaubt ist. Dann heißt es: lektorieren mit Samthandschuhen.

Personality: Lesen Sie Lektoren wie ein Buch

Was aber bedeutet dies alles für die Frage nach einem guten Lektorat? Wie geraten Sie an die Lektorin, die am besten zu Ihrem Text passt? Wie finden Sie den Lektor, der Ihren Vorstellungen am Nächsten kommt? Ich bleibe dabei: Einen festen Katalog kann ich Ihnen nicht an die Hand geben. Es kann sogar sein, dass eine hervorragende Lektorin ein paar Rechtschreibfehler auf Ihrer Website hat, ein astreiner Korrektor Ihren Text dafür stilistisch verwässert. Weil nur ein gewisser Teil des Lektorats Handwerk ist und sich dieses Handwerk wie bereits beschrieben nur schwer qualitativ vergleichen lässt, sollten Sie auf das passende Gesamtpaket achten. Wenn Sie blumige Texte hassen, lassen Sie das Lektorat mit eher floral geprägtem Websitedesign und einem Hang zu Schnörkelschrift aus. Reichen Sie Ihre Unternehmensbroschüre nicht unbedingt dort ein, wo es sonst vor allem um Selfpublisher und Genreromane geht. Erwarten Sie nicht von einer Korrekturplattform, die sich an Studenten und Studentinnen richtet, dass Sie dort hervorragende Arbeit zu günstigen Preisen bekommen. Bei Freelancern hingegen kann es sein, dass die Kapazitäten gerade nicht da sind oder Ihnen das Lektorat zu teuer vorkommt.
Im BWL-Studium habe ich gelernt: Maximale Qualität zum günstigsten Preis – das geht nicht. Sie können maximal eine bestimmte Qualität zu einem festen Preis bekommen. Billig ist jedoch nicht automatisch schlecht, teuer nicht automatisch gut; der Preisvergleich ist einfach ein wichtiger Bestandteil des Bewertungspakets.

Reden ist Gold, und Sympathie sorgt für gute Texte

Im Endeffekt ist es also wie so oft: Sie sehen erst am Ende, was wirklich herauskommt, wenn Sie nicht gerade vorab ein Probelektorat vereinbaren oder sich sehr früh zeigen lassen, in welche Richtung die Überarbeitungen gehen. Beides ist möglich. Ansonsten verlassen Sie sich am besten auf Ihr Gefühl und Ihren Verstand: Sympathie und gegenseitige Wertschätzung führen allein schon in fast allen Fällen zu besseren Texten. Und vergessen Sie auch nicht, zu sagen, was Sie gern hätten und worauf Sie Wert legen. Durch klare Absprachen lassen sich Enttäuschungen am einfachsten vermeiden. Ich wünsche Ihnen in jedem Fall das beste Lektorat für Ihr Projekt. Gut geschriebene Texte kann es schließlich nie genug geben.

Doch noch eine Art Checkliste

Ein paar kurze, subjektive Überlegungen, die Sie bei der Suche nach einem guten Lektorat unterstützen sollen.

  1. Kontext is king: Suchen Sie den richtigen Lektor bzw. die richtige Lektorin für Ihre Art von Text.
  2. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Sympathie ist Trumpf.
  3. Fordern Sie ein Probelektorat an oder lassen Sie sich früh erste Ergebnisse zeigen.
  4. Kommunizieren Sie klar, was Sie sich vom Lektorat wünschen und für den Text erhoffen.
  5. Suchen Sie nicht das günstigste Angebot, sondern dasjenige, das Ihnen für Ihre Vorstellungen angemessen erscheint.

Titelbild: Volkan Olmez on Unsplash

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