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Apostroph: So setzen Sie ihn richtig

Ursprünglich hatte ich diesen Blogbeitrag „Das Geheimnis der Apostrophe“ genannt. Klingt allerdings irgendwie nach Tierdoku, vielleicht auch nach historischem Roman. Völlig abwegig ist es trotzdem nicht, denn der Apostroph erscheint vielen Schreiber/-innen als rätselhaftes Wesen. Das möchte ich mit diesem Beitrag ändern.

Fangen wir mit den guten Nachrichten an: Apostrophe sind keine Exoten, sondern im Gegenteil sogar häufig zu sehen. Das Problem dabei: Bei Tine’s Friseurshop, Bernd’s Wurstexpress und Claudia’s Iss’ wat braucht es meistens gar keinen Apostroph – oder die Setzung ist gleich ganz und gar falsch. Ein Grund dafür ist vielleicht, dass die Anwendung nie wirklich eingeübt wurde, weil der Apostroph in der Schule keine Rolle gespielt hat.
Meistens scheint der Apostroph etwas mit dem Genetiv zu tun zu haben. Und man setzt ihn offensichtlich auch, wenn am Ende eines Wortes ein zusätzliches „s“ angehangen wird. Das ist in manchen Fällen richtig, zum Beispiel bei „Geht’s dir gut?“, aber oft auch falsch:„Dieser Text liest sich wie ein einziger Schuss in’s Blaue.“
In vielen Fällen wird der Apostroph jedoch vor allem als Zeichen der Auslassung gebraucht, und damit fange ich an. Zuvor noch kurz zum Zeichen selbst: Mit dem vermeintlichen Apostroph auf der Tastatur ist es, typografisch korrekt, jedenfalls nicht getan. Hier liefert typefacts einen schönen Artikel zum Apostrophen und allem, was man typografisch dazu wissen sollte.

Keiner da? Der Apostroph bei fehlenden Buchstaben bzw. Auslassungen

Apostrophe stehen in der Regel dort, wo etwas ausgelassen wird. Ruft also ein froher, aber übermüdeter Nachtschwärmer seinen unternehmungslustigen Kumpanen „Habt noch ’ne schöne Nacht“ zu, dann wird ein Apostroph gesetzt, weil eigentlich „eine schöne Nacht“ gemeint ist.
Bleiben wir noch kurz in der Szene. Der bettbereite Nachtschwärmer hebt den Fuß verträumt über eine Pfütze, und einer der dankbaren Freunde warnt ihn, ruft: „Hab Acht!“ Dann braucht es in diesem Fall keinen Apostroph, weil es sich um einen üblichen Befehl, einen Imperativ, handelt und diese Flexion, also Beugung, üblich ist. Geh mir fort. Bleib doch stehen. Trink aus!
Weil ich vorher schrieb, dass der Apostroph in der Regel bei Auslassungen gesetzt wird: Dies gilt für schwer lesbare oder missverständliche Formen. In der ersten Person Singular des Präsens Indikativ (Ich + Verb in der Jetztzeit) setzt man ihn  normalerweise nicht, da in der Regel beide Formen üblich sind. Ich habe/hab da was gehört. Ich hole/hol ihn mal eben. Wenn

Lektorat Berlin Christian Wöllecke: Ein Apostroph ist unnötig, wenn es sich um einen üblichen Befehl handelt: Verleih deinen Träumen Flügel.
Einen Apostroph braucht es hier nicht, da die Endung in der 1. Person Singular des Präsens Indikativ so oder so geschrieben werden kann: Verleih/Verleihe deinen Träumen Flügel.

Verschmelzungen: Der Apostroph und das angehängte „S“

Auch die vorhin beschriebene Setzung des Apostrophs bei angehängtem „S“ ist nicht zwingend, zumindest wenn es um Verschmelzungen von es mit vorangehenden Verben geht. Mir geht’s gut oder mir gehts gut. Falsch ist solch ein Apostroph dann, wenn es sich um Verschmelzungen aus Präposition und Artikel handelt. Wenn sie als allgemein üblich gelten, erhalten sie keinen Apostroph: ans, aufs, hinters, vors, beim, zum, übern, vorn. Wichtig ist in diesem Fall, einheitlich zu bleiben. Wer sich für Los geht’s entscheidet, muss dies mit allen ähnlichen Varianten durchhalten. Gleichzeitig muss man sich aber auf die Finger klopfen, wenn man Dinge wie schnell mal ums Haus schreibt. Denn bei um + das handelt es sich um die bereits beschriebene Verschmelzung von Präposition und Artikel.
Eine beliebte, aber leider falsche Überlegung ist es außerdem, dass man ein „S“ bei Substantiven oder auch bei Familiennamen anhängen könnte. Die Besitzerin des Fahrrads, der Admin des Systems … Hier wohnen die Müllers. All diese Wendungen bleiben ohne Apostroph.

Lektorat Berlin Christian Wöllecke: Dem Wort Handy wird im Genitiv kein "s" mit Apostroph angehängt: des Handys.
Ein falscher Apostroph in freier Wildbahn: Das „S“ wird bei Substantiven direkt angehängt.

Namen und Apostrophe

Es gibt aber trotzdem eine Regel, nach der Apostrophe bei Namensnennungen gesetzt werden. Endet ein Name ohne dazugehörigen Artikel im Genitiv auf s, ss, ß, tz, x, ce, dann wird ein Apostroph gesetzt. Wir sagen nicht Eliases Gyrosland oder Andreases Wurstbude, sondern Elias’ Gyrosland, Max’ Wurstexpress. Schauen wir uns den Fall von Andrea und Andreas an: Wenn Andreas’ Imbisseck von Andrea übernommen würde, hieße es entweder Andreas Imbisseck oder aber auch Andrea’s Imbisseck. Auch wenn nicht ganz klar wird, warum man es braucht, ist der Apostroph bei Andrea’s Imbisseck laut Duden zur Kennzeichnung der Grundform des Namens zulässig. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen ist ansonsten aber unüblich.
Aber ein Apostroph kann auch mitten in einem Namen auftauchen. Ob es dabei um Martin Heidegger oder Mario Barth geht, ist in diesem Fall völlig egal. Spricht man von ihrer Art und Weise, also wie sie Dinge angehen oder tun, sind zwei Formen legitim: der heideggersche oder der Heidegger’sche Hammer. Die barthsche oder Barth’sche Lehre, dass Frauen nicht mit diesem Hammer umgehen können. Mit Apostroph wird der Name also groß, ohne klein geschrieben.
Noch ein letzter Punkt in Sachen Namen: Wenn im Wortinneren von Namen größere Buchstabengruppen weggelassen werden, setzt man einen Apostroph. Deshalb können Leute ganz einfach über den Ku’damm schlendern.
Der Apostroph hat also tatsächlich viel mit Namen zu tun, aber nur in ganz bestimmten Schreibweisen.

Zur Abwechslung: Wann kein Apostroph gesetzt wird

Es gibt inzwischen einige populäre Zweifelsfälle, wann man einen Apostroph setzen könnte. Das hat durchaus etwas mit der Globalisierung der Sprachen zu tun, bekannte Probleme tauchen auch bei der Getrennt- und Zusammenschreibung deutscher und fremdsprachiger Wörter auf. Die Schreibung von verkürzten Jahreszahlen mit Apostroph stammt aus dem englischen Sprachraum, ist momentan aber in der deutschen Sprache noch nicht als Regel vorgesehen: Weihnachten 94. Auch Abkürzungen mit Genitiv- und Pluralformen erhalten keinen Apostroph: des Jh.s, die Pkws. Genauso falsch ist der Apostroph aus dem Beitragsbild: Iss wat enthält schlicht keine Auslassung. Es handelt sich dabei ganz regelkonform um eine Flexion, die aus dem Imperativ (die Befehlsform) des Verbes „essen“ resultiert. Wäre es als Frage gemeint, könnte man einen Apostroph hineinschmuggeln: Is’ wat? Aber mit dieser herzlichen Schnodderigkeit wird Claudia ihren Gästen höchstens direkt hinter dem Tresen begegnen – nicht schon im Schaufenster. Sie will ihnen ja etwas zu Essen verkaufen und nicht direkt eine Anmache vor die Füße knallen.

Diesen Artikel habe ich erstmals am 9. Januar 2017 veröffentlicht und am 30.03.2020 umfassend überarbeitet und aktualisiert.

Harte Fakten: Alles Wichtige in Kürze

1.) Apostrophe kennzeichnen unübliche Auslassungen. 2.) Sie können gesetzt werden bei „es“-Anschlüssen, das ist aber nicht zwingend. 3.) Bei Verschmelzungen von Präposition und Artikel ist der Apostroph falsch. 4.) Genau so falsch ist er in der 1. Person Singular Präsens Indikativ.
1.) So ’ne Frechheit. 2.) Mir geht’s gut 3.) Aufs Haus oder ins Herz, das ist mir gleich. 4.) Ich ruf ihn mal.
Im Wortinneren kann der Apostroph bei Ableitungen von Eigennamen stehen, oder er markiert die Auslassung größerer Buchstabengruppen in Wörtern.
Der freudsche/Freud’sche Komplex. Der Ku’damm befindet sich im Westen der Stadt.
Enden Namen auf s, ss, ß, tz, z, ce und stehen ohne Artikel, kennzeichnet der Apostroph den Genitiv. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen wird normalerweise nicht gesetzt, er kann gelegentlich aber zur Betonung der Grundform verwendet werden. Hans’ Wellensittich ist in Form. Gauß’ Ideen sind spannend. Daniela’s Hundesalon ist sehr zu empfehlen.

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